Stellenanzeige schreiben: Aufbau, Vorlage, Tonalität und Fehler

Du willst eine Stellenanzeige schreiben, und am Ende steht wieder „Wir suchen ab sofort eine engagierte Fachkraft (m/w/d)“? Dann liest sie kaum jemand zu Ende. Eine Stellenanzeige spricht Bewerber an, wenn sie aus ihrer Sicht geschrieben ist: ein Jobtitel, nach dem man sucht, ein ehrlicher Blick in den Arbeitsalltag, harte Fakten zu Geld und Arbeitszeit und ein Bewerbungsweg, der in zwei Minuten erledigt ist. Und der Ton klingt so, wie ihr im Betrieb wirklich redet.
Hier bekommst du Aufbau, Tonalität, typische Fehler, eine Vorlage zum Ausfüllen und Tipps für KI. Die Anzeige ist dabei nur ein Baustein. Wie du daraus mit Videos und Social Ads eine Recruiting-Kampagne machst und woher die Botschaft dahinter kommt, steht im Guide zu Employer Branding Maßnahmen.
Was macht eine Stellenanzeige für Bewerber interessant?
Eine Stellenanzeige ist interessant, wenn der Leser nach ein paar Sekunden weiß, was er dort tut, was er bekommt und ob er reinpasst. Alles andere ist Beiwerk.
Trotzdem fangen viele Anzeigen mit Gründungsjahr und Leitbild an, obwohl der Bewerber zuerst wissen will: Wie sieht mein Tag aus, was verdiene ich, wie komme ich hin?
Und denk an die, die gar nicht suchen. Eine Fachkraft, die zufrieden im Job sitzt, wechselt nicht für „spannende Aufgaben“. Die wechselt eher, wenn etwas messbar besser ist: kein Bereitschaftsdienst am Wochenende, zwanzig Minuten weniger Arbeitsweg, mehr Geld. Genau das muss im Text stehen.
Wie ist eine gute Stellenanzeige aufgebaut?
Eine gute Stellenanzeige hat sieben Bausteine, in dieser Reihenfolge: Jobtitel, Einstieg, Aufgaben, Angebot, Anforderungen, Unternehmen und Bewerbungsweg. Das Unternehmen kommt bewusst spät.
- Jobtitel: die Berufsbezeichnung, nach der Leute suchen, mit (m/w/d).
- Einstieg: zwei, drei Sätze aus Sicht der Person, die den Job macht.
- Aufgaben: der echte Alltag, fünf bis sieben Punkte.
- Angebot: Gehalt, Arbeitszeit, Urlaub, Weiterbildung, Anfahrt. Zahlen statt Adjektive.
- Anforderungen: klar getrennt in Muss und Kann.
- Unternehmen: kurz, mit Gesicht.
- Bewerbungsweg: Ansprechpartner mit Namen und Telefonnummer, nächster Schritt, Button.
Jobtitel: so, wie Bewerber suchen
Der Jobtitel ist das Suchwort. Wer einen Job als Elektroniker sucht, tippt nicht „Kabel-Ninja“ ein. Nimm die Berufsbezeichnung, die Leute wirklich benutzen, plus (m/w/d) und, wenn es hilft, eine kurze Ergänzung wie Ort, Teilzeit oder Schwerpunkt. Kreativ werden darfst du in der Überschrift darüber oder im Motiv der Anzeige. Interne Titel wie „Sachbearbeitung Kreditoren Team Nord“ versteht außerhalb deines Hauses niemand.
Einstieg: Der Job in zwei, drei Sätzen
Direkt unter den Titel gehört kein Firmenporträt, sondern ein kurzer Einstieg, in dem sich der Leser selbst sieht. Zum Beispiel: „Du fährst morgens mit deinem festen Kollegen zur Baustelle, um halb fünf bist du zu Hause. Samstags arbeitest du nur, wenn du willst.“ Drei Fakten, ein Bild. Mehr braucht es nicht.
Aufgaben: der echte Alltag statt Stichwortliste
Schreib auf, was jemand tatsächlich tut, und womit er die meiste Zeit verbringt. „Wartung und Instandhaltung“ sagt wenig. „Du kümmerst dich zu zweit um die Maschinen in Halle 2, mit eigenem Werkzeugwagen“ sagt viel. Fünf bis sieben Punkte reichen. Wer zwölf aufzählt, beschreibt eher eine Abteilung als eine Stelle.
Angebot: Fakten statt Versprechen
Hier entscheidet sich, ob jemand wechselt. Gehalt oder Gehaltsspanne, Arbeitszeit, Schichtmodell, Urlaubstage, Weiterbildung, Anfahrt und Parkplatz. Alles, was sich zählen oder nachprüfen lässt, schlägt jedes Adjektiv. Beim Gehalt gilt: Wer keine Zahl nennt, lässt die Leute raten. Und die raten selten zu deinen Gunsten.
Anforderungen: Muss und Kann trennen
Unterscheide klar zwischen dem, was jemand am ersten Tag können muss, und dem, was ihr beibringt. Eine Liste mit zwölf Pflichtpunkten liest sich wie eine Absage. Drei echte Muss-Kriterien und ein „Den Rest zeigen wir dir“ öffnen die Tür für Quereinsteiger und für Leute, die sich selbst unterschätzen.
Unternehmen und Bewerbungsweg: ein Mensch statt Postfach
Fürs Unternehmen reichen zwei, drei Sätze: was ihr macht, wie groß das Team ist, wo ihr sitzt.
Am Ende steht ein Mensch: Name, Telefonnummer, gern ein Foto. Dazu der nächste Schritt, zum Beispiel „Wir rufen dich innerhalb von zwei Werktagen an“. Bewerben sollte mit dem Daumen gehen, in der Mittagspause, ohne Lebenslauf als Datei. Der Button darunter ist dein Call to Action, zum Beispiel „Jetzt in 2 Minuten bewerben“.
Stellenanzeige-Vorlage: ein Muster zum Ausfüllen
Du willst nicht bei null anfangen? Hier ist ein Muster, das du kostenlos kopieren und ausfüllen kannst. Was du nicht konkret füllen kannst, streichst du, statt es mit einer Floskel zu stopfen.
- Überschrift: (Berufsbezeichnung) (m/w/d) in (Ort), (Vollzeit/Teilzeit)
- Einstieg: „Bei uns (machst du konkret was), mit (wem), und um (Uhrzeit) hast du Feierabend.“
- Das machst du: (fünf bis sieben Aufgaben, so beschrieben, wie sie im Alltag wirklich aussehen)
- Das bekommst du: (Gehaltsspanne in Euro), (Wochenstunden und Arbeitszeitmodell), (Urlaubstage), (Weiterbildung), (Anfahrt, Parkplatz, Jobticket)
- Das bringst du mit: (zwei bis drei echte Muss-Kriterien). „Alles andere zeigen wir dir.“
- Das sind wir: (was ihr macht, wie viele Leute, wo ihr sitzt, in zwei Sätzen)
- So geht’s weiter: „Ruf (Vorname Nachname) an unter (Telefonnummer) oder bewirb dich mit wenigen Klicks. Wir melden uns innerhalb von (Zeitraum).“
Die Vorlage ist das Gerüst, nicht die Anzeige. Steht in den Klammern dasselbe wie bei drei anderen Betrieben in der Region, hast du noch keine Anzeige, sondern ein Formular.
Welche Tonalität passt in eine Stellenanzeige?
Die richtige Tonalität ist die, in der ihr im Betrieb wirklich miteinander redet. Wer im Alltag duzt, duzt auch in der Anzeige. Wer siezt, wirkt mit erzwungen lockeren Sprüchen unglaubwürdig.
Duzen oder siezen?
Im Handwerk, in der Pflege, in der Gastro und bei Azubis ist das Du weit verbreitet und senkt meist die Hürde. Bei Führungspositionen oder in sehr formellen Branchen kann Siezen passen. Lockeres Du in der Anzeige, dann ein steifes Gespräch in Anzug? Das wirkt wie eine Mogelpackung.
Konkret schlägt schön
Ein einfacher Test für jeden Satz: Könnte er genauso bei der Konkurrenz stehen? Dann raus damit oder konkret machen. Ein paar Beispiele, wie das aussieht:
- „Abwechslungsreiches Aufgabengebiet“ wird zu „Montags Werkstatt, dienstags beim Kunden, freitags um 13 Uhr Feierabend.“
- „Leistungsgerechte Vergütung“ wird zu einer echten Gehaltsspanne in Euro.
- „Junges, dynamisches Team“ wird zu „Acht Leute vom Azubi bis zum Altgesellen, mittags wird zusammen gegessen.“
Kurze Sätze, fürs Handy geschrieben
Viele lesen deine Anzeige auf dem Handy, irgendwo zwischen Feierabend und Sofa. Also: kurze Absätze, Zwischenüberschriften, Aufzählungen. Ein Gedanke pro Satz. Und lieber aktiv als passiv: „Du planst die Touren“ statt „Die Tourenplanung wird vom Stelleninhaber übernommen“.
Eine Anzeige pro Zielgruppe
Suchst du mehrere Berufe, schreib mehrere Anzeigen. Eine Schulabgängerin will anderes wissen als eine erfahrene Fachkraft. Für die Ambulante Pflege Bock gab es deshalb nicht ein Motiv für alle, sondern eigene für Pflegefachkräfte, Ausbildung und Hauswirtschaft. Auf jedem Motiv stehen die Vorteile, auf die es den Bewerbern in der Pflege ankommt, etwa die Bezahlung, das Miteinander im Team und Fortbildungen. Und gezeigt wird das echte Team des Pflegedienstes.
Beim Motiv für Pflegefachkräfte steht oben die suchbare Berufsbezeichnung mit (m/w/d), darunter der Claim „Alltagshelden gesucht“. Diese Arbeitsteilung funktioniert auch in deinem Text.

Typische Fehler beim Schreiben einer Stellenanzeige
Viele Fehler entstehen nicht aus Faulheit, sondern weil die alte Anzeige einfach weiterläuft. Diese acht solltest du vor dem Veröffentlichen ausräumen.
- Das Unternehmen steht vorn: Drei Absätze Firmengeschichte, bevor es um den Job geht.
- Keine Zahl zum Gehalt: „Attraktive Vergütung“ beantwortet die wichtigste Frage nicht. Wer wechseln soll, will wissen, ob es sich lohnt.
- Die Wunschliste: Studium, zehn Jahre Erfahrung und drei Sprachen für einen Job, der davon die Hälfte braucht.
- Fantasie- oder Interntitel: Nach „Feelgood-Ninja“ oder eurer Abteilungsbezeichnung sucht niemand.
- Floskel-Bingo: „Spannende Aufgaben, kollegiales Umfeld, attraktive Benefits.“ Steht überall, sagt also nichts.
- Bleiwüste auf dem Handy: Lange Absätze, PDF-Anhang, winzige Schrift.
- Bewerbung ins Leere: Nur eine allgemeine E-Mail-Adresse, kein Name, keine Telefonnummer, kein Wort dazu, wie es weitergeht.
- Ewig online: Dieselbe Anzeige steht seit einem Jahr im Netz. Viele Bewerber merken das und fragen sich, warum die Stelle keiner will.
Rechtliche Stolperfallen: Was das AGG verlangt
Eine Stellenanzeige muss diskriminierungsfrei sein, so will es das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Das betrifft mehr als den Zusatz (m/w/d).
- Geschlecht: Berufsbezeichnung neutral oder mit (m/w/d), und zwar auch in Bildern und in der Ansprache.
- Alter: „Junges Team“ oder „Berufseinsteiger bis 30“ können als Hinweis auf Altersdiskriminierung gelten. Beschreib lieber, was jemand können soll.
- Herkunft und Sprache: „Deutsch als Muttersprache“ ist heikel. Besser ist, das Sprachniveau zu nennen, das der Job wirklich braucht, zum Beispiel „gute Deutschkenntnisse für Gespräche mit Kunden“.
- Ausspielung: Auch Social Ads für Jobs richtest du nach Region, Beruf und Interessen aus, nicht nach Alter oder Geschlecht. Wie das bei Meta geregelt ist, steht im Guide Social Media Recruiting.
Das ersetzt keine Rechtsberatung. Bist du unsicher, lass die Anzeige vor dem Veröffentlichen kurz prüfen.
Stellenanzeige mit KI schreiben: Was ChatGPT kann und was nicht
KI-Tools wie ChatGPT schreiben dir in Sekunden eine Stellenanzeige. Das Problem: Das Ergebnis klingt oft wie jede andere Anzeige. Ohne deine Fakten füllt die KI die Lücken mit genau den Floskeln, die du vermeiden willst. Gut ist KI als Werkzeug, nicht als Autorin.
So holst du mehr raus:
- Erst die Fakten, dann der Text: Gib der KI Gehaltsspanne, Arbeitszeiten, echte Aufgaben, Ansprechpartner und zwei, drei Sätze, die ein Kollege über den Job sagen würde. Das Muster oben ist dafür eine gute Eingabe.
- Ton vorgeben: Sag dazu, ob ihr duzt oder siezt, und dass du kurze Sätze ohne Floskeln willst.
- Gegenlesen: Mach den Konkurrenz-Test von oben.
- Nichts übernehmen, was nicht stimmt: KI erfindet gern Benefits. Was ihr nicht bietet, gehört nicht in die Anzeige.
Wo KI wirklich hilft: Varianten. Aus einer fertigen Anzeige machst du schnell eine Kurzfassung für Social Ads, mehrere Überschriften zum Testen oder eine Version für eine andere Zielgruppe.
Reicht eine gute Stellenanzeige, um Bewerber zu finden?
Eine gute Stellenanzeige holt die Leute ab, die aktiv suchen. Alle anderen musst du dort erreichen, wo sie scrollen.
Ein guter Anzeigentext ist trotzdem nie verschwendet: Aus ihm entstehen die Texte für Social Ads, die Landingpage und das Bewerbungsformular. Wie wir Anzeigen, Inhalte und Bewerbungsweg zu einem System verbinden, zeigt unsere Seite zu Social Recruiting.
Fazit: Schreib für den Bewerber, nicht für die Personalakte
Eine Stellenanzeige, die Bewerber anspricht, beginnt mit dem Job und nicht mit der Firma, nennt Fakten statt Floskeln, trennt Muss von Kann und endet mit einem Menschen, den man anrufen kann. Der Ton passt zu dem, wie ihr wirklich redet, und jede Zielgruppe bekommt ihre eigene Anzeige.
Du willst wissen, wie deine Anzeige auf Bewerber wirkt und wie du auch die Leute erreichst, die gar nicht suchen? Im kostenlosen Erstgespräch nehmen wir uns deine offene Stelle gemeinsam vor, und du bekommst eine klare Einschätzung, was du an deinem Text ändern solltest.








